Am Anfang stand ein junger Mann namens Wau Holland, der äußerlich eher einem Waldschrat glich als einem Computerspezialisten. Doch Wau Holland erwies sich als DER Visionär einer demokratischen digitalen Kultur. Mit einer Handvoll Mitstreitern gründete er 1981 den „Chaos Computer Club“ (CCC), der durch spektakuläre Hacks und später durch Verstrickungen mit den Geheimdiensten weltbekannt wurde. Wau Holland und die Mitglieder des CCC stehen seit den Anfängen der Computerkultur für eine Praxis des sozialen Austauschs mit den Mitteln der Maschine. Digitalisierung ist für sie nicht nur Heilsbringer, sondern von Anfang an eine Regierungstechnik, von der nichts weniger als der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft abhängen wird. Vom Computer-Nerd zum Datenkünstler, vom Einsiedler zum Medienstar, vom subversiven Hacker zum Verfechter der Demokratie: die großen Fragen unserer heutigen Öffentlichkeit durchziehen das Leben und Wirken Wau Hollands. Gerade für die heutige Dynamik des Internets, in der eine Meinung nicht nur freie Äußerung, sondern immer auch eine Waffe ist, wirkt die Hackerethik des CCC wie ein Mahnmal zivilgesellschaftlicher Werte. Dass die Mitglieder des CCC heute gefragte Experten für Politiker und Medien sind, ist genauso ein Erbe Wau Hollands wie die Etablierung von Plattformen für Gegenöffentlichkeit wie Wikileaks.

ALLES IST EINS. AUSSER DER 0. erzählt die Geschichte der digitalen Subversion: vom exklusiven Club zur renommierten Instanz, die bei allen Fragen der Netzpolitik der Stichwortgeber ist. Der Dokumentarfilm von Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf setzt der bekanntesten deutschen Hackervereinigung ein stilsicheres, kraftvolles und würdiges Denkmal. Selten hat man ein so eindringliches Portrait über Zeitgeist-Pioniere gesehen, deren Weitblick für die Gegenwart so beeindruckend wie bereichernd ist.
Klaus Maeck
Klaus Maeck wurde 1954 in Hamburg geboren. Mit Beginn der 80er Jahre beschäftigte er sich intensiv mit Super-8-Filmen. Zu den bekanntesten Filmen, die er in dieser Zeit mit produziert und verfasst hat, gehört der Langfilm „Decoder“ (1984) des Filmkünstlers Muscha. 1984 gründete Maeck mit anderen den Independent Musikverlag „Freibank Music Publishing“, der sich vor allem um die Band „Einstürzende Neubauten“ kümmerte. Im Rahmen des Verlages inszenierte Maeck viele Musikvideos. 2004 gründete Maeck zusammen mit Regisseur Fatih Akin die Filmproduktionsfirma „Corazón International“, mit der er vorwiegend Akins Filme realisierte. Seit 2013 führt er mit Interzone Pictures eine eigene Filmproduktion und Filmverleih. Noch heute ist Maeck mehr als Produzent als Regisseur tätig. ALLES IST EINS AUSSER DER 0 ist erst seine dritte Regie-Arbeit. Maeck ist Mitglied der Deutschen Filmakademie und der Europäischen Filmakademie.

Filmografie (Auswahl)

2019 ALLES IST EINS AUSSER DER 0
2014 B-MOVIE – LUST & SOUND IN WEST-BERLIN
1993 LIEBESLIEDER

Tanja Schwerdorf
Tanja Schwerdorf wurde 1979 in Köln geboren. Mit 21 Jahren arbeitete sie als Beleuchterin und Aufnahmeleitungsassistenz bei verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen. 2004 zog sie für das Studium visuelle Kommunikation/Medien an der Hochschule für bildende Künste nach Hamburg. U.a. war Regisseur Wim Wenders ihr Dozent. 2011-2012 war sie als Junior Producer für den Kinofilm FRAKTUS – DAS LETZTE KAPITAL DER MUSIKGESCHICHTE bei corazón international tätig. Im Rahmen eines Stipendiums realisierte sie mit Hilfe von TAMTAM Film 2016 ihren ersten Kurzfilm NACH DEM REGEN, der nach einer deutschlandweiten Kinotour auch im NDR ausgestrahlt wurde. Seit 2013 gehört sie als Künstlerin dem Team Klappe auf! Kurzfilmfestival Hamburg an.

Filmografie (Auswahl)

2015 NACH DEM REGEN
2010 SUZANNAS ZIMMER
2010 CASTING ROMY ALS MARIA BRAUN
2008 ONKEL DIETER

Die unbeschränkte Überwachung und Datenausbeutung durch die Digitalunternehmen sind Themen, die heute täglich in den Medien diskutiert werden. Wau Holland, die Gründerseele des Chaos Computer Club und seine Verbündeten haben die Gefahren der Digitalisierung in den 80er Jahren vorausgesehen. Zu Zeiten des Kalten Krieges und der Punk-Subkultur lassen sich die Freigeister von kalifornischen Technikvisionären inspirieren, bekennen sich zur Hackerethik und fordern ein Menschenrecht auf weltweite ungehinderte Kommunikation als Voraussetzung für Demokratie und Selbstbestimmung. Dass der CCC heute als ein wichtiger Ratgeber in Sachen Datenschutz agiert, ist genauso ein Erbe Hollands wie die Bildungs-Initiativen, die jährlichen Chaos Communication Congresse, aber auch die Entwicklung von umstrittenen Plattformen für Gegenöffentlichkeit. Es ist überfällig, den visionären Ideen und dem Vermächtnis des Datenphilosophen Wau Holland einen Film zu widmen. In einem unterhaltsamen Rückblick wollen wir die Ethik und den Humor der Hacker zeigen, uns anstecken lassen von dem Wissensdurst, der Improvisationsfreude und Unerschrockenheit unserer Protagonisten, um die hochaktuelle gesellschaftliche Relevanz ihrer Themen zu reflektieren und Wege aus der großen Datenfalle aufzuzeigen.

Klaus Maeck / Tanja Schwerdorf

Protagonisten

Wau Holland

Gründer des Computer Chaos Club (CCC)

Peter Glaser

Schriftsteller und damaliger Chefredakteur der CCC-Zeitschrift „Datenschleuder“

Steffen Wernéry

erster Pressesprecher des CCC

Linus Neumann

Netzaktivist und einer der aktuellen Sprecher des CCC

Andy Müller-Maguhn

1990-2003 Pressesprecher des CCC, Vorstandsmitglied der Wau Holland Stiftung

Crew

Buch & Regie

Klaus Maeck, Tanja Schwerdorf

Kamera

Hervé Dieu

Ton

Tino Selengia

Montage

Andreas Grützner

Sounddesign

Nico Berthold

Musik

Alexander Hacke

Licht

Mark Warneke, Malte Ross

Ausstattung

Birgit Voss

Produzent

Klaus Maeck

Line Producer

Tina Mersmann

Eine Produktion von

Interzone Pictures

In Koproduktion mit

NDR

Gefördert von

Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, Deutscher Filmförderfonds, Filmförderungsanstalt und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien